Rathaus Stadt Hohenems
1. Preis EU-weiter Architekturwettbewerb
An der nördlichen Einfahrt in das historische Zentrum der Stadt Hohenems entsteht mit dem RathausQuartier ein neues, prägnantes Stadtensemble. Identitätsstiftend für das gesamte städtische Gefüge schafft es vielfältige Nutzungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten. In diesem Kontext ist das neue Rathaus als städtebaulicher Hochpunkt markant positioniert: Als prägnanter Stadtbaustein nimmt er das Thema der Verbindung auf und formt eine neue Zugangssituation zur Innenstadt.
Das Erscheinungsbild des neuen Rathauses ist direkter Ausdruck von Konstruktion und Materialität. Unbehandeltes, heimisches Holz und in Metall gefasste Loggien prägen die vielschichtige Semantik des Baukörpers. Die Fassade aus unbehandelter Fichte artikuliert die Logik des Gebäudes und schafft fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum. Die Tiefenwirkung der Gebäudehülle erzeugt beim Vorbeigehen wechselnde Sichtbeziehungen in das Innere, ein Spiel zwischen gefilterter Transparenz und Offenheit. Großzügige Fensterbänder sorgen für eine optimale Tageslichtversorgung und ermöglichen visuelle Kommunikation und Austausch mit dem Stadtraum. Lufträume und versetzt angeordnete vertikale Öffnungen im Inneren vernetzen die Geschoße miteinander und fördern Kommunikation über mehrere Ebenen.
Das Rathaus Hohenems ist ein konstruktiver Holzbau, dessen Raster den Rhythmus des Gebäudes vorgibt und der sich dem Charakter des Holzbaus verpflichtet.
Das Gebäude ist nach den strengen Kriterien des Kommunalgebäudeausweises Vorarlberg errichtet, der die Nachhaltigkeitsqualität von öffentlichen Bauten bewertet. Ergänzend intensivierte eine begleitende Cradle-to-Cradle Fachplanung die Aspekte Kreislaufwirtschaft, CO₂-Management, Biodiversität und Soziale Gerechtigkeit. Im Gebäude wurde konsequent ein „Lowtech“-Ansatz umgesetzt, mit dem Ziel, ein langlebiges Haus zu schaffen, dessen Betriebs- und Wartungskosten moderat bleiben.
Handwerklich eingearbeitete Schriftzüge verankern das Gebäude in seinem kulturellen Kontext: mit weißer Leinölfarbe hinterlegte Kerbungen fügen sich nordseitig zu geschoßhohen, Lettern nach einer eigens kreierten Typografie. Sie ergeben ein Textfragment von Jean Améry, einem Schriftsteller und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus mit Hohenemser Wurzeln.
Fotos: Adolf Bereuter